Schreibnerds Schreiblehre
Wiederholungen
Grundarten
- Wortwiederholungen
- Inhaltswiederholungen
- Gewollte Wiederholungen
Beispiele & Erklärung
Wortwiederholungen:
Seine blauen Augen starrten in den blauen Himmel und in seinem Mund steckten Blaubeeren, die seine Lippen blau färbten, ebenso seinen Handrücken, mit dem er sich immer über die Lippen fuhr.
Jeder sollte hier die Wortwiederholung von blau und Lippen bemerken. Wortwiederholungen sind die größten Anfängerfehler und selbst gute Autoren achten auf der zweihundertsten Seite auf solche Fehler nicht mehr, sondern schreiben munter weiter. Auch bei der Bearbeitung lässt man solche kleinen Fehler aus und sagt sich: Ne, darauf habe ich jetzt kein Bock. Dem Leser wird es auf der Seite sowieso nicht auffallen. Eigentlich ist ihre Eliminierung sehr, sehr einfach.
- Man sucht sich entweder ein Synonym oder streicht die Wiederholung, verlängert den Satz, kürzt ihn, verbindet ihn mit anderen Sätzen. Da muss man bisschen spielen. http://synonyme.woxikon.de/synonymliste Diese Seite kann ich sehr empfehlen. Hier findet man viele Synonyme. Man kann sich natürlich auch ein Synonym ausdenken. Blut – Venenketchup.
Inhaltswiederholungen:
Jessica war ein siebzehnjähriges Mädchen und ihr lief rotes Blut über die Handgelenke, als sie an einem warmen, wolkenlosen Tag in den blauen Himmel blickte.
Einer der beliebteren Fehler. Der Satz „müsste“ so lauten:
Jessica war siebzehn Jahre alt und ihr Blut lief über die Handgelenke, als sie in den blauen Himmel blickte.
Wieso habe ich so viele Wörter gestrichen? Einmal waren es für meinen Geschmack zu viele Adjektive. Außerdem waren drei Inhaltswiederholungen dabei. Jessica ist ein Frauenname, also Mädchen streichen. Blut ist immer rot – außer es ist von einem Außerirdischen oder ein Krimiautor dreht durch, in solchen Fällen schreibt man aber natürlich nicht rotes Blut, sondern die andere Farbe. Warmen, wolkenlose und blau – sowieso klar. Ich finde den Satz ehrlich gesagt scheiße. Man sollte solche Stellen viel aktiver schreiben. Aber das ist ein anderes Thema. Also Inhaltswiederholungen streichen, sie werden nicht gebraucht.
Gewollte Wiederholungen:
Der Himmel erstreckte sich über ihren blauen Pupillen. Mit ihren blauen Fingernägeln spielte sie an ihren blauen Haarsträhnen herum und ihr blauer Pullover zwickte unangenehm an der Achselhöhle. Ihr blauer Lippenstift lud zum Blaubeerkuss ein und sie selber hickste blau auf.
Interessantes Beispiel oder? Bin darauf sehr stolz, weil man da noch viel mehr raus lesen kann, als nur gewollte Wiederholungen. Es charakterisiert und was es für eine Charakterisierung ist. Wenn man es lebendiger schreiben würde, also aktiver, könnte ich mir die Szene richtig spannend vorstellen und unterhaltsam. Jedenfalls sollte man aber gewollte Wiederholungen nur dann einsetzen wenn sie WIRKLICH passen und wenn sie notwendig sind. Ich bin ein Freund von gewollten Wiederholungen. Auch wenn man damit viel Spielen könnte. Passt aber auf: Wenn wir da oben den Anfang so schreiben würden:
Der blaue Himmel erstreckte sich über ihren blauen Pupi…… und so weiter. Dann würde das Wort blau einen faden Nachgeschmack haben.
Also gewollte Wiederholungen nur einsetzen, wenn es passt und wenn sie notwendig sind. Sie können in dramatischen Szenen aufkommen, sie können charakterisieren, sie können wichtige Ereignisse veranschaulichen etc.
Es gibt noch andere Wiederholungen. Zum Beispiel wenn ein Symbol oder vielleicht auch eine Metapher immer wieder auftaucht, oder wenn ein Charaktere wiederholende Angewohnheiten hat. Aber das ist ein anderes Thema und passt eher in einem anderen Bereich rein.
Lg der Schreibnerd.